Gleiche Chancen für Kinder mit Sehbeeinträchtigung
Kategorie Medienmitteilung
Die Erkenntnisse aus dem Forschungs- und Entwicklungsprojekt «Erweitertes Curriculum Sehbeeinträchtigung» ergänzen den Lehrplan 21 um jene Kompetenzen, die Kinder und Jugendliche mit Sehbeeinträchtigung für eine erfolgreiche Schulzeit, den späteren Beruf und die Teilhabe an der Gesellschaft benötigen.
In diesen Wochen starten tausende Kinder freudig ins Schulleben – auch Kinder mit einer Sehbeeinträchtigung freuen sich auf diesen Moment. Sie stehen jedoch vor besonderen Herausforderungen, weil gemeinsames Lernen im Unterricht oftmals Sehen voraussetzt. Ist das Sehen eingeschränkt, müssen Lernprozesse anders gestaltet und Informationen auf andere Weise zugänglich gemacht werden. Damit Kinder mit einer Sehbeeinträchtigung, Blindheit oder Hörsehbeeinträchtigung ihr Potenzial entfalten können, braucht es zweierlei: zusätzliche Kompetenzen und ein Umfeld, das sich auf ihre Bedürfnisse einstellt und Barrieren abbaut. Das Erweiterte Curriculum Sehbeeinträchtigung (ECS) schafft die Grundlage für selbstständiges Lernen, berufliche Perspektiven und gesellschaftliche Teilhabe.
Eine Sehbeeinträchtigung ist häufig nicht auf den ersten Blick erkennbar. Oft wird erst beim Schuleintritt oder beim Lesenlernen erkannt, dass ein Kind anders sieht. In der Schweiz leben zahlreiche Kinder und Jugendliche mit einer alltagsrelevanten Sehbeeinträchtigung, Blindheit oder Hörsehbeeinträchtigung. Rund die Hälfte wird in einer Regelschule, die andere Hälfte in einer heilpädagogischen Institution unterrichtet.
Um sich selbständig im Schulalltag und im späteren Leben zurechtzufinden, benötigen diese Kinder und Jugendlichen zusätzliche Kompetenzen. Dazu gehört beispielsweise, sich sicher zu orientieren und fortzubewegen oder mit Technologien wie einem Bildschirmlesegerät umzugehen, das gedruckte Inhalte vergrössert. Welche zusätzlichen Kompetenzen Kinder und Jugendliche mit Sehbeeinträchtigung benötigen und wie diese gezielt gefördert werden können, wurde bislang noch nie für die gesamte Schweiz systematisch erfasst. Mit dem Erweiterten Curriculum Sehbeeinträchtigung (ECS) hat der Schweizerische Zentralverein für das Blindenwesen (SZBLIND) gemeinsam mit der
Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik (HfH) und über 55 Expertinnen und Experten aus der ganzen Schweiz aus dem Bereich Sehen erstmals einen schweizweit einheitlichen Qualitätsrahmen für Bildungsinstitutionen entwickelt. Die inhaltliche Ausarbeitung des Curriculums erfolgte durch Dr. Fabian Winter und Viktoria Albert von der HfH in einem partizipativen Entwicklungsprozess. Das ECS ergänzt die regional geltenden Lehrpläne – in der Deutschschweiz den Lehrplan 21 – um elf sehbehindertenspezifische Bildungsbereiche und unterstützt pädagogische Fachpersonen dabei, den individuellen Förderbedarf von Kindern zu erfassen und sie gezielt zu fördern.
«Das ECS zeigt anschaulich, was Kinder und Jugendliche mit Sehbeeinträchtigung für gleichberechtige Bildung brauchen. Getragen wird es von einer breiten Gemeinschaft: Über 55 Fachpersonen aus der ganzen Schweiz haben ihr Wissen eingebracht», sagt Dr. Fabian Winter, Professor für Bildung bei Beeinträchtigung des Sehens an der HfH und einer der Autoren des ECS.
«Kinder mit Sehbeeinträchtigung wollen und können sehr viel lernen. Damit sie ihr Potenzial entfalten können, brauchen sie frühzeitig die passende Förderung und zusätzliche Kompetenzen. Das Erweiterte Curriculum schafft dafür erstmals eine gemeinsame Grundlage für die ganze Schweiz», sagt Dr. Vivianne Visschers, Verantwortliche Forschung beim SZBLIND und Projektleiterin des ECS.
Der SZBLIND, seine Mitgliedsorganisationen und die HfH setzen sich dafür ein, dass Kinder und Jugendliche mit Seh- oder Hörsehbeeinträchtigung in der ganzen Schweiz die Förderung erhalten, die sie benötigen. Damit werden wichtige Voraussetzungen für gleiche Bildungschancen, Selbstständigkeit und ein inklusives Leben geschaffen.
Für Medienschaffende
Interviews mit Dr. Vivianne Visschers, Verantwortliche Forschung des SZBLIND und Projektleitende ECS, sowie Dr. Fabian Winter, Professor für Bildung bei Beeinträchtigung des Sehens an der HfH Zürich und Autor ECS, sind auf Anfrage möglich. Interviews in Französisch sind mit Viktoria Albert, Autorin ECS und Advanced Lecturer an der HfH Zürich, möglich.
Medienkontakte
- SZBLIND: Kathrin Keller-Schellenberg, Fachbereichsleiterin Kommunikation des SZBLIND, Tel. 071 228 68 62, kathrin.keller [at] szblind.ch (kathrin[dot]keller[at]szblind[dot]ch)
- HfH: Nina Hug, Leiterin Hochschulkommunikation der HfH, Tel. 078 843 44 93, nina.hug [at] hfh.ch (nina[dot]hug[at]hfh[dot]ch)
Bildmaterial
Gerne stellt Ihnen SZBLIND auf Anfrage Bildmaterial zur Verfügung:
- Bild 1: Das ECS ergänzt die drei regional geltenden Schweizer Lehrpläne um elf spezifische Bildungsbereiche für Kinder und Jugendliche mit Sehbeeinträchtigung. Diese sind in das Rahmenkonzept des Universal Design for Learning eingebettet (© SZBLIND / Samuel Jordi).
- Bild 2: Orientierung und Mobilität ist einer der elf spezifischen Bildungsbereiche des ECS. Kinder und Jugendliche mit Sehbeeinträchtigung lernen dabei, sich in vertrauten und unbekannten Umgebungen sicher und möglichst selbstbestimmt zu orientieren und fortzubewegen (© SZBLIND / Samuel Jordi).
Weitere Informationen
- Erweitertes Curriculum Sehbeeinträchtigung (ECS)
Das Erweiterte Curriculum Sehbeeinträchtigung steht kostenlos in Deutsch, Französisch und Italienisch zur Verfügung. Es richtet sich an Lehrpersonen, Visiopädagoginnen und Visiopädagogen sowie heil- und sonderpädagogische Fachpersonen. Eltern erhalten mit dem ECS eine Orientierung, welche zusätzlichen Kompetenzen für den Bildungsweg ihres Kindes wichtig sind. Zum Erweiterten Curriculum Sehbeeinträchtigung - Fachtagung «Erweitertes Curriculum Sehbeeinträchtigung»
Der SZBLIND und die HfH laden am 16. September 2026 zur Fachtagung «Erweitertes Curriculum Sehbeeinträchtigung» nach Zürich ein. Die Tagung vermittelt die Grundlagen des ECS sowie dessen praktische Anwendung im Bildungsalltag und richtet sich an Fachpersonen aus Bildung, Heil- und Sonderpädagogik sowie weitere Interessierte. Anmeldeschluss ist der 1. September 2026. Zur Fachtagung «Erweitertes Curriculum Sehbeeinträchtigung» - Erklärvideo «Kinder und Jugendliche mit Sehbeeinträchtigung in der Schule»
Das rund fünfminütige Erklärvideo des SZBLIND zeigt, wie sich eine Sehbeeinträchtigung auf den Schulalltag auswirkt, welche Anzeichen darauf hinweisen können und wie Schulen, Fachpersonen und Eltern betroffene Kinder unterstützen können. Das Video ist auf YouTube verfügbar. Zum Erklärvideo «Kinder und Jugendliche mit Sehbeeinträchtigung in der Schule»
Schweizerischer Zentralverein für das Blindenwesen (SZBLIND) – An der Seite blinder und taubblinder Menschen
Der Schweizerische Zentralverein für das Blindenwesen SZBLIND setzt sich jeden Tag dafür ein, dass Menschen mit Taubblindheit, Hörsehbehinderung, Blindheit und Sehbehinderung in der Schweiz ihr Leben selbstbestimmt und in eigener Verantwortung führen können. Er ist die Dachorganisation im Schweizerischen Blinden-, Sehbehinderten- und Hörsehbehindertenwesen. Er berät und begleitet taubblinde und hörsehbehinderte Menschen sowie ihre Angehörigen und bildet Freiwillige zu Begleitpersonen aus. Er entwickelt und vertreibt spezielle Hilfsmittel, die Betroffenen den Alltag erleichtern.
Der SZBLIND informiert die Öffentlichkeit über Wissenswertes aus dem Blinden- und Hörsehbehindertenwesen, initiiert und koordiniert Forschungsprojekte und stellt die Aus- und Weiterbildung von Fachleuten in der Schweiz sicher. Durch seine Arbeit an der Seite betroffener Menschen verbessert sich deren Lebensqualität. Sie sind dank individuell angepassten Unterstützungsleistungen in der Lage, ihr Leben so unabhängig wie möglich zu gestalten. Der SZBLIND ist ZEWO-zertifiziert. www.szblind.ch.
Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik (HfH)
Die Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik (HfH) lehrt, bearbeitet und antizipiert heil- und sonderpädagogische Fragen und Themen in Aus- und Weiterbildung, Forschung und Entwicklung sowie Dienstleistungen in engem Kontakt mit der Praxis. Interkantonal und lokal verankert, national und international vernetzt, gestaltet die HfH das Bildungssystem mit dem Ziel: Bildung für Alle, damit Partizipation am gesellschaftlichen Leben für alle zur Realität wird. www.hfh.ch