Erweitertes Curriculum Sehbeeinträchtigung

Kategorie Projekt

Ausgangslage und Ziele

In dem kooperativen Entwicklungsprojekt von SZBLIND und HfH wurden gemeinsam mit den Schweizer Bildungsinstitutionen im Bereich Sehen einheitliche Standards zur Bildung von Kindern und Jugendlichen mit Sehbeeinträchtigung entwickelt. Diese liefern den Institutionen, unabhängig von den sprachregionalen Kerncurricular, Orientierung und einen gemeinsamen Qualitätsrahmen zur Gestaltung von Bildungsangeboten im Bereich Sehen. Der Fokus liegt dabei auf blinden- und sehbehindertenspezifischen Kompetenzen für Lernende mit Sehbeeinträchtigung und das Umfeld der Lernenden, welche für eine Teilhabe an den Kerncurricular notwendig sind. Zudem können die notwendigen personellen, zeitlichen und materiellen Ressourcen mittels der Bedarfseinschätzung «Erweitertes Curriculum Sehbeeinträchtigung», kurz B-ECS, beschrieben werden.

Projektleitung

Fabian F. Winter Titel Prof. Dr.

Funktion

Professor für Bildung bei Beeinträchtigung des Sehens

Vivianne Visschers Titel Dr.

Funktion

Verantwortliche Forschung SZBLIND

Fakten

  • Dauer
    11.2023
    10.2026
  • Projektnummer
    3_35

Projektteam

Kooperationen

  • Schweizerischer Zentralverein für das Blindenwesen SZBLIND

Dokumente zum Herunterladen (Deutsch)

Ausgangslage

Um an den geltenden Schweizer Curricular (Lehrplan 21, Plan d'études romand, Piano di studio) teilhaben zu können, benötigen Kinder und Jugendliche mit Sehbeeinträchtigung spezifische Unterstützungsangebote, z.B. in den Bereichen Brailleschrift, Access Technologien, Orientierung und Mobilität, Lebenspraktische Fähigkeiten oder Low Vision etc. (Allman & Lewis, 2014). Für die Bildungsinstitutionen ergibt sich daraus ein erweiterter Bildungsauftrag, welcher in Deutschland (Degenhardt et al. 2016), Grossbritannien (Hewett et al. 2023) und den USA (Allman & Lewis, 2014) in einem spezifischen oder erweiterten Curriculum festgehalten wird. Bislang fehlte ein solches Curriculum in der Schweiz, ebenso wie eine offizielle Anerkennung des zusätzlichen Bildungsauftrags. Folglich war die Schaffung von einheitlichen Standards ein wichtiges Anliegen der Schweizer Bildungsinstitutionen im Bereich Sehen.

Der Dachverband für das Blinden- und Sehbehindertenwesen Schweiz (SZBLIND) hat sich diesem Anliegen angenommen und gemeinsam mit der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik (HfH) das «Erweitertes Curriculum Sehbeeinträchtigung» (ECS) entwickelt und im Mai 2026 veröffentlicht.

Vorgehen

Es handelt sich um ein kooperatives Entwicklungsprojekt mit Forschungsanteilen. Das Projekt startete im November 2023 und endete im Mai 2026. Die Entwicklung gliederte sich in drei Teilschritte:

  • In einem ersten Schritt wurde der Forschungs- und Erkenntnisstand zu spezifischen Curricula für Lernende mit Sehbeeinträchtigung mithilfe eines Literaturreviews zusammengefasst.
  • In einem zweiten Schritt wurden Schweizer Expertinnen und Experten mit mindestens fünf Jahren Berufserfahrung im Bereich Sehen und aus allen vier Schweizer Sprachregionen rekrutiert und in drei Gruppendiskussionen ein erster Entwurf für ein Erweitertes Curriculum Sehbeeinträchtigung erarbeitet.
  • In einem dritten Schritt wurde der Entwurf in einer Online-Umfrage Schweizer Fachpersonen aus dem Bereich Sehen zur Vernehmlassung vorgelegt. Im Zuge dessen wurde auch das Modell zur Einschätzung von sonderpädagogischen Ressourcen, die Bedarfsschätzung Erweitertes Curriculum Sehbeeinträchtigung (B-ECS), durch die Fachpersonen evaluiert.

Abschliessend wurden die Ergebnisse der drei Phasen in der Endfassung zusammengeführt und dem SZBLIND zur Publikation übergeben. Das «Erweiterte Curriculum Sehbeeinträchtigung» wurde im Mai 2026 in deutscher, französischer und italienischer Sprache veröffentlicht.

Ergebnisse

Das Berufs- und das Praxisfeld profitiert in mehrfacher Hinsicht von dem Projekt:

  • Das «Erweiterten Curriculums Sehbeeinträchtigung» trägt zur Harmonisierung der kantonalen Angebotsvielfalt im Bereich Sehen bei.
  • Die Standards tragen dazu bei, die Fachlichkeit im Blinden- und Sehbehindertenwesen langfristig sicherzustellen.
  • Das «Erweiterte Curriculum Sehbeeinträchtigung» liefert zudem einen einheitlichen Qualitätsrahmen für die Bildung bei Beeinträchtigung des Sehens.
  • Die Standards können zur Evaluation sowie qualitativen Bewertung bestehender Angebote ebenso wie zur individuellen Förderplanung genutzt werden.
  • Die Bedarfsschätzung «Erweitertes Curriculum Sehbeeinträchtigung» (B-ECS) kann für die Verhandlungen mit Kostenträgern genutzt werden.
  • Die Standards werden einen Einfluss auf die Aus- und Weiterbildung von Schweizer Fachpersonen im Bereich Sehen haben.

Das Projekt trägt zur schulischen und gesellschaftlichen Integration von Menschen mit Sehbeeinträchtigung bei. Eine Fachtagung zum «Erweiterten Curriculum Sehbeeinträchtigung» wird durch den SZBLIND organisiert und findet am 16. September an der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik statt.

Literatur

  • Allman, C. B. & Lewis, S. (Hrsg.). (2014). ECC essentials: Teaching the expanded core curriculum to students with visual impairments. AFB Press, American Foundation for the Blind.
  • Degenhardt, S., Gewinn, W. & Schütt, M.-L. (Hrsg.). (2016). Für die Handlungsfelder Schule, Übergang von der Schule in den Beruf und Berufliche Rehabilitation. Spezifisches Curriculum für Menschen mit Blindheit und Sehbehinderung. BoD – Books on Demand.
  • Hewett, R., Douglas, G., McLinden, M. & James, L. (2023). Development of a new curriculum framework for children and young people with vision impairment: A United Kingdom consultation using the Delphi approach. British Journal of Visual Impairment, https://doi.org/10.1177/02646196231157168

Weitere Publikationen

Konferenzbeiträge

  • Winter, F. F., Albert, V., & Visschers, V.
    The Swiss Expanded Curriculum for Visual Impairment: A Participatory Research Approach
    [Poster].
    10th ICEVI-Europe Conference,
    Pandua, Italien.
  • Winter, F. F., Albert, V., & Visschers, V.
    Erweitertes Curriculum Sehbeeinträchtigung: Entwicklung und Erforschung der Schweizer Bildungsstandards Sehen
    [Poster].
    Schweizer Kongress für Heilpädagogik,
    Fribourg, Schweiz.

Andere Referate/Vorträge (im Berufsfeld, Vorlesung an Hochschule etc.)

  • Winter, F. F., Albert, V., & Visschers, V.
    Erweitertes Curriculum für Kinder und Jugendliche mit Sehbeeinträchtigung in der Schweiz.
    HfH Impuls: Praxis, Wissen, Forschung,
    online.